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INHALT

Transformation in der Türkei
Topographie als Potenzial
Nur wenige Nationalstaaten auf der Erde können ihre Lage an geostrategischen, kulturellen und wirtschaftsgeographischen Nahtstellen so als Potenzial nutzen, wie es die Türkei kann. Darüber hinaus ist das Land zwischen Bosporus und Van-See ein 80-Millionen-Einwohnerstaat mit erheblichem Wirtschaftspotenzial. A... mehr
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YUNUS ULUSOY
Die Türkei: Ein neuer regionaler Akteur im Nahen und Mittleren Osten
Die geographische Verortung der Türkei ist komplex. Sie ist sowohl europäisches als auch Balkan-, Schwarzmeer-, Kaukasus- oder Nahostland. Historisch gesehen wurden mit dem Begriff die Staatsgebiete des Osmanischen Reiches außerhalb Europas bezeichnet. Aufgrund dieser geostrategischen Lage und ihres kulturell-historischen Hintergrundes besitzt die Türkei eine Brückenfunktion zwischen Europa und den muslimischen Staaten des Nahen Ostens. Das Land hatte zudem als südöstlichstes Mitglied der NATO für die Sicherheit während des Kalten Krieges eine Bollwerkfunktion und gewinnt zunehmend als Transitland für Erdgas und Erdöl für die Energieversorgung Europas an strategischer Bedeutung.
MARTIN SEGER
Stadtentwicklung und Segregation im Großraum Istanbul
Mit deutlich über 11 Mio. Einwohnern (2007) ist Groß-Istanbul der kraftvolle südöstliche Eckpfeiler im Netz von Europas Großstädten. Die Metropole am Bosporus besteht aus drei Kernräumen, die jeweils durch Wasserwege voneinander separiert sind: die historische Altstadt auf der Halbinsel Stambul (Byzanz-Konstantinopel-Istanbul), das weitläufige moderne Zentrum nördlich des Goldenen Horns, und der Brückenkopf Kadıköy auf der anatolischen Seite des Bosporus. Die metropolitane Stadtstruktur und die jüngere Entwicklung werden hier zu jenen gestaltenden Kräften in Beziehung gesetzt, die bestimmte Stufen der Stadtentwicklung geprägt haben. Dieser sozialgeographische Zugang führt zum Begriff der Segregation als erklärende Variable für beobachtete räumliche Strukturen.
FRIEDRICH PALENCSAR, MARIA STRMENIK
“Gated Communities“ in Istanbul
Gated Communities sind längst kein Phänomen der USA mehr, sondern eine Ausdrucksform des globalen Lifestyles an vielen Orten der Welt, so auch in der Metropolregion Istanbul. Hier haben die Immobilieninvestmentgesellschaften sehr schnell auf die Entstehung einer Konsumgesellschaft reagiert und sich dieser Marktnische in professioneller Art angenommen. Als Beispiel wird die Region Göktürk (ein ehemaliges Dorf mit inzwischen über 30 Gated Communities) und die Anlage „Istanbul Istanbul“ vorgestellt.
JEAN-FRANÇOIS PÉROUSE
Ist die Marmara-Region wirklich entwickelt?
Im April 2009 wurde eine Liste der 100 größten Steuerzahler der Türkei des Jahres 2008 veröffentlicht. 83 % von ihnen hatten ihren Hauptwohnsitz in der Provinz Istanbul. Diese Zahl alleine ist schon ausreichend, um zu zeigen, dass der nationale Wohlstand der Türkei sich um die Metropole am Bosporus bündelt. Allerdings bedeutet dies nicht notwendigerweise, dass die Marmara-Region, der die Provinz Istanbul über lange Zeit verwaltungstechnisch zugeteilt war, genauso wirtschaftlich „entwickelt“ ist.
AKSU AKÇAOGLU
Neue Einkaufszentren und urbanes Leben in Ankara
In der türkischen Hauptstadt Ankara hat sich als Folge der stark zunehmenden Zahl von Einkaufszentren ein ganz spezielles urbanes Leben entwickelt. Da die Shopping Malls Erlebnisse in einer neuen, idealisierten Umgebung bieten, wurden sie zu Rivalen des Stadtzentrums.
ERNST STRUCK
Entwicklungsprozesse und staatliche Entwicklungsplanung im Osten der Türkei
Regionale Entwicklungsunterschiede sind weltweit Normalität und ihr Abbau ist in nahezu allen Ländern der Erde – mit einem politischen Anspruch auf den regionalen Ausgleich der Lebensbedingungen – Programm. Wie auch die Türkei ringen sie um effektive Maßnahmen. Die staatliche Entwicklungsplanung der Türkei war uneingeschränkt zentralistisch organisiert und hat die extremen räumlichen Disparitäten zwischen Osten und Westen nicht verringern können.
HARUN SEVINÇ
Angepasster Tourismus im Südwesten der Türkei?
Planungsperspektiven für die Region Kemer (Provinz Antalya)
Mit der Verabschiedung des Tourismusförderungsgesetzes im Jahr 1982 setzte an der Küste
rund um Kemer in der Provinz Antalya eine rapide, unkontrollierte und oft rücksichtslose
Entwicklung des Tourismus ein. Inzwischen sind die Auswirkungen dieses Prozesses zu Lasten
des naturräumlichen, kulturellen und sozialen Potentials des Küstenbereiches deutlich geworden.
Langfristig gefährdet eine derartige Entwicklung die Existenz des Tourismus selbst. Eine angemessene Alternative zur bisherigen Entwicklung wäre ein angepasstes, umweltgerechtes und sozialverträgliches Tourismuskonzept, welches die spezifischen Charakteristika der Umgebung von Kemer berücksichtigt und ihre Attraktivität als Erholungsgebiet nicht gefährdet.