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Verzeichnis aller bisher erschienener Themenschwerpunkte - 2003

Kontinentales Südostasien
Zwischen Indien und China
Das festländische Südostasien war über Jahrhunderte Drehkreuz von Handel und kulturellem Austausch. Hier begegneten sich Pilgerreisende auf dem Weg in das Land Buddhas mit Kau.euten, die nach begehrten Waren aus dem "Reich der Mitte" Ausschau hielten. Die naturräumliche Gunst im Schnittpunkt von Monsunen, die topographische Besonderheit einer Quasi-Barriere zwischen Ganges- und Yangtse-Tie.and, zwischen Calcutta und Canton, all dies hat den Kulturraum Südostasien mitgeprägt. In starkem Kontrast hierzu steht die jüngste Geschichte der Region: Indochina-Kriege und Ost-West- Kon.ikte, Boom und Bust in Malaysia und Thailand oder die einst selbstgewählte, jetzt auferlegte Isolation Myanmars. Langfristig können nur neue Kooperationen und Integrationsansätze, wie etwa ASEAN, das wirtschaftliche Potenzial der Region nutzen, zugunsten der Menschen und hoffentlich nicht zu Lasten der Umwelt. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Glazialmorphologie
Vom Eise befreit
Die Erforschung der vom Eis geformten Erdoberfläche gewinnt angesichts der Diskussion um globale Klimaveränderungen neues Gewicht. Gletscher kommen und gehen als Ergebnis von Kalt- bzw. Warmzeiten. Ihre Spuren sind nicht nur ein einzigartiger Schatz von Formen, ihre Eisreste oder Geröllmassen öffnen ein Archiv zur Klimageschichte der Erde. Die einen mag es beruhigen, dass der Planet zyklisch immer schon gigantischen Klimaänderungen ausgesetzt war, ganz ohne anthropogenen CO2-Ausstoß, für die anderen sind gerade die aus dem Eis entnommenen Befunde eine Mahnung dafür, wie dramatisch schnell das Klima der Erde aus dem Gleichgewicht geraten kann. Dass Glazialmorphologen dafür geographische Frontiers erforschen müssen - von Spitzbergen bis Zentralasien - macht ihre Disziplin nicht weniger attraktiv, im Gegenteil.(rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Tourismus in Entwicklungsländern
Reisen verbindet
Als Wirtschaftsfaktor ist Tourismus weltweit mit Abstand führend: Von Bali bis Jamaika warten Hoteliers und Local Guides, Restaurants und Souvenirshops, Busfahrer und Bootsführer auf die Gäste aus Übersee. Denn letztere bringen Einnahmen und Devisen. Entwicklungsländer der Tropen und Subtropen bieten Sonne, Strand, Palmen und für den, der sie sucht, Begegnungen mit fremder Lebensweise. Aber der Touristenstrom versiegt schnell, wenn sich in den Herkunftsregionen Trends ändern oder Angst vor eben jener "Fremde" ausbreitet, die man gerade noch suchte. Für viele Entwicklungsländer zerplatzte spätestens nach dem 11. September 2001 der Traum von stetig wachsenden Einnahmen aus dem Tourismus. Auf ähnliche Weise wie die internationalen Finanzmärkte sind auch die Tourismusmärkte enger miteinander verknüpft, als es manchem lieb sein mag. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Nachbar Türkei
Europa oder Nicht-Europa?
Ob EU-Beitritt oder ob NATO-Front gegen die „Achse des Bösen“ - kaum jemals hat die Türkei so im Mittelpunk der politischen Diskussion in Europa gestanden wie derzeit. Dabei spielt zunächst einmal der Wandel in der Türkei selbst eine Rolle: Wirtschaftliche Krise und politisches Vakuum haben mit der Wahl im November 2002 ein vorläufiges Ende. Neue innenpolitische Stabilität und fortgesetzte Reformen ermöglichen dem Land - früher oder später - Mitglied der europäischen Staatengemeinschaft zu werden. Dies strebt sie an und dies hat man ihr in Kopenhagen im Dezember 2002 konkreter denn je in Aussicht gestellt. Es geht aber auch um das Selbstverständnis der Europäischen Union: Ist sie eine Werte- oder eine Zweckgemeinschaft? Denn als Absatzmarkt mag man da die Türkei gerne sehen, auch als strategischer Partner scheint sie unverzichtbar. Die türkischen Mitbürger in der EU, ebenso wie die steigende Zahl von EU-Bürgern mit Urlaubsziel Türkei tragen dazu bei, dass sich kulturelle und gesellschaftliche Wertvorstellungen aufeinander zu bewegen. Ein „EU-Mitglied Türkei“ ist daher keine Utopie mehr. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Spanien
Spaniens unbekanntes Wesen
Ob Windmühlen auf der La Mancha, Gaudi-Kathedrale in Barcelona oder Zweitwohnungen im sonnigen Gran Canaria, ohne Zweifel stehen Spaniens „typische“ Trademarks immer noch hoch im Kurs. Doch abseits von Stierkampf, Carmen und Paella bedarf es einer neuen Sichtweise auf den EU-Partner jenseits der Pyrenäen. Beispielhaft gilt dies für Sevilla: Dort entsteht auf dem EXPO-Gelände im Stadtzentrum ein Erlebnispark. Aber spätestens als Spanien im Vorfeld des Irak-Konflikts außenpolitisch eigene Akzente setzte oder die spanische Regierung die Ölkatastrophe vor Galizien zunächst fast ignorierte, hoben sich viele Augenbrauen. Es scheint schwer zu fallen, den „inneren Baedeker“ zur Seite zu legen und Spanien in neuem Licht zu sehen. (ra) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Weggehen oder bleiben?
Mobilität mag untrennbar zu einer modernen Gesellschaft gehören: Im Alter in wärmere Regionen, warum nicht? Die Senioren etwa in den Südstaaten der USA stehen beispielhaft für einen Trend, der sich auch in der EU bemerkbar macht. Und warum nicht dorthin ziehen, wo es Arbeit gibt? Besser einen Job in Westfalen als keinen in Wernigerode. Aber ist diese Form der Binnenwanderung tatsächlich Indikator für eine mobile Gesellschaft oder nicht vielmehr Bankrotterklärung einer Regionalentwicklung? Denn ein jobbedingter Umzug bleibt die schlechteste aller Alternativen, zerreißt er doch soziale Kontakte und regionale Identifikationen, die ebenso wichtig sind wie „Lohn und Brot“. Abwanderung und erst recht Flucht sind Anzeichen einer Krise, nicht Beleg für eine neue „Flexibilität“. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Zentral- und Ostafrika
Dürrekatastrophen, Genozid, Diktaturen, Epidemien – der Schreckensvorrat an Schlagworten scheint für das zentrale und östliche Afrika geradezu erfunden zu sein. Es mag einmal die räumliche Isolation sein, die insbesondere Zentralafrika nahezu alles an politischem und sozialem Horror zuschreibt, was im 21. Jh. noch denkbar ist. Fakt ist aber auch: Die Staatenbildung nach europäischem Modell hat im postkolonialen Afrika nicht zu der konstitutionellen Festigkeit geführt, die es erlaubte, soziale und politische Krisen zu bewältigen, ohne dass Ohnmacht und Zerfall von Institutionen offensichtlich wurden. Hinzu kommt die wirtschaftliche Verwundbarkeit einer Region, die außer über Rohstoffexporte für einen gesättigten Weltmarkt (wer braucht Kupfer bei Glasfaserkabeln?) allenfalls noch großartige Landschaften und Strände für den internationalen Tourismus anzubieten hat - auch keine verlässliche ökonomische Basis. Die Entwicklungsdefizite der vergangene vier Jahrzehnte strafen Afrika im Zeitalter der Globalisierung besonders. Für die Zukunft müsste es statt "Out of Africa" eher heißen: Auf nach Afrika! (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Integration ohne die Schweiz?
Endet die EU bei Schaffhausen? Theoretisch schon. Der Euro gilt dort wenig und der Schweizer Franken ist umso teurer. Aber abgesehen von Währungssymbolik ist die Schweiz dichter an der EU, als oft wahrzunehmen: Standards und Reglements werden eng mit Brüssel abgestimmt. Und EU-Verkehrsströme queren die Schweiz bis an die Belastungsgrenze. Mehr noch: Mit Italienisch, Französisch und Deutsch ist die Schweiz bereits ein „Klein-Europa“. Steht nur das helvetische Selbstbewusstsein vor dem letzten Schritt, dem EU-Beitritt. Das „Nein“ dazu hat den Nachbarn gezeigt, wie wichtig eine unabhängige, neutrale Schweiz den Bürgern der Alpenrepublik ist - in der Debatte um die künftige Gestaltung Europas ein durchaus nachdenklich stimmendes Signal. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Arm durch Globalisierung?
Wo sind eigentlich die „Gewinner“ der Globalisierung? Sind es die neuen Arbeitsplätze an der mexikanischen Grenze? Aber dafür sind höher bezahlte in Detroit oder Pittsburgh verschwunden. Sind es die Software-Entwickler in Indien? Informatiker in München stehen aber beim Arbeitsamt Schlange. Sind es die Textilarbeiterinnen in Bangladesh? Unter zweifelhaften Arbeitsbedingungen nähen sie Hochpreiswaren für den Export. Es wäre vereinfacht, „Norden“ und „Süden“ als Konkurrenten auf einem globalen Arbeitsmarkt gegeneinander auszuspielen. Denn auch innerhalb des „Südens“ bewirkt das freie Spiel der Kräfte regionale und gesellschaftliche Fragmentierungen, ja gravierende Brüche. Hier fehlt jenes ausgleichende soziale Absicherungssystem, welches im „Norden“ meist durch einen gesellschaftlichen Konsens über Jahrzehnte gewachsen war. Nicht ob Globalisierung mehr Wohlstand schafft ist die Frage, sondern wie möglichst viele davon profitieren können. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Pakistan und Bangladesh
Koloniale Hypothek
Drei Pufferstaaten eingerichtet, ein Bergfürstentum annektiert und das Tiefland am Indus und im Ganges-Delta zu einem "Land der Reinen" geformt - beim Rückzug aus Südasien im Sommer 1947 hinterließ die Kolonialmacht ein Pulverfass ungelöster Territorialkonflikte. Zwar hat die Regierung des Vereinigten Königreichs ihre historische Verantwortung zugegeben (so Außenminister Jack Straw im November 2002), aber die 55 Jahre später in Delhi, Islamabad und Dhaka regierenden Eliten sind weit davon entfernt, Willen und Mut zur Überwindung der ererbten Konflikte aufzubringen. Nach einer weiteren Teilung 1971 gingen Pakistan und Bangladesh eigene Wege: Letzteres - oft verachtet als "Bettlernation der Erde" - hat erstaunliche Entwicklungserfolge vorzuzeigen und seit 1990 einen Demokratisierungsprozess begonnen. Ersteres ist durch den "11. September" und seine Verbindung zu Afghanistan in den geopolitischen Mittelpunkt geraten, ohne dass dies der inneren sozialen und wirtschaftlichen Stabilität geholfen hätte. Fast 300 Millionen Menschen in beiden Ländern warten nun darauf, am globalen Wohlstand und einer friedlichen Koexistenz teilhaben zu können. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Russland im Wachstumsrausch
„Moscow Rising“
titulierte jüngst NEWSWEEK einen Artikel über den derzeitigen Börsenboom und das hohe Wirtschaftswachstum in Russland. Genauer: In Moskau, denn der Übergang in die freie Marktwirtschaft ist räumlich und sozial höchst ungleich ausgeprägt. Im Städtesystem dominiert Moskau mehr denn je (exklusiver Wohnungsbau ist da nur ein Beleg für die selektive Wirtschaftsdynamik). Regionen im asiatischen Teils Russlands hingegen entvölkern sich, Industrieanlagen - einst Vorzeigeobjekte einer am „sozialistischen Menschen“ orientierten räumlichen Erschließungsideologie - verrotten. Neben den glitzernden Einkaufszonen in der Hauptstadt und dem aufgeputzten St. Petersburg treten daher immer stärker die Schattenseiten zutage. Gelingt Russland der historisch unvergleichliche Kraftakt einer sozial und regional ausgewogenen Transformation, dann gewinnen dabei nicht nur seine Bürger, sondern auch der Rest der Welt. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload