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Verzeichnis aller bisher erschienener Themenschwerpunkte - 2005

Nordamerika
«Leaving New York»?
Was die Band R.E.M. melancholisch besingt, trifft nicht die Realität kühl kalkulierender Manager: Die Attentate vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in Manhattan sind zwar inzwischen zur Metapher für die neue Geopolitik der USA geworden. In New York geht es aber angesichts der klaffenden Lücke am Hudson River schlicht um Büroraum und die Frage: Lohnt es sich, das Firmenhauptquartier außerhalb von Manhattan anzusiedeln. Die meisten Firmen haben sich für den Verbleib entschieden: Midtown Manhattan bot hinreichend Raumersatz für die Twin Towers. Und großzügige Zuschüsse aus Washington haben einige Firmen sogar bewogen, trotz des Traumas „9/11" in Lower Manhattan zu bleiben. Die Metropole ist zu wichtig, die Standortfaktoren zu gewichtig, um New York zu verlassen. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Welthandel und Globalisierung
Ist die Welt ein Basar?
Welthandel ist mehr als die monatliche Außenhandelsstatistik. Er steckt im eigenen Kleiderschrank oder in der Schere des Verbandskastens. Selbst der sonntägliche Vereinsfußball hat orientalische Spuren. Textilien wandern zur Näherin nach Dhaka, um in der neuen Modekollektion der örtlichen Boutique zu landen. Aber ist der unschlagbare Discountpreis auch fair? Solange die Kontrolle über Preis und Marktzugang einseitig bleibt, solange hat der Fußballnäher in Pakistan keine Chance auf einen gerechten Lohn. Das Schnäppchen hier kostet anderswo das letzte Hemd. (li) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Ausgabe März
Heft 03/2005
Leider vergriffen!
Raumordnung und Raumentwicklung
Geordnete Entwicklung
Der Zeitgeist - weniger Staat, mehr freies Spiel der Kräfte - hat auch die Raumordnung nicht unberührt gelassen: hier ein neuer Regionalflughafen, dort ein Gewerbegebiet mit Zubringerstraße, der regionale Wettbewerb soll es regeln. Was oft als Hemmschuh im Standort Deutschland definiert wird, stellt sich bei unaufgeregter Analyse als ein Instrumentarium zum Ausgleich sehr unterschiedlicher Ansprüche und Interessen heraus. Raumordnungspläne müssen über Gegensätze hinweg konsensfähig sein, soziale, wirtschaftliche und ökologische Belange zu einem zukunftssicheren Gesamtkonzept verbinden. Raumordnung und Regionalentwicklung sind zwei Seiten der gleichen Medaille. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Indischer Ozean
Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe
Der Indische Ozean hatte bis zum 26.12.2004 nicht den Ruf einer Katastrophenregion. Im Gegenteil, die Küsten von Kenia bis Thailand und Inseln wie Reunion, die Malediven, Sri Lanka oder Phuket standen für touristische Traumziele schlechthin. Der Tsunami hat dies geändert. Hunderttausende haben mit dem Leben dafür bezahlt, dass technisch Machbares, wie Küstenschutz und Vorwarnsysteme, aus Sorglosigkeit nicht umgesetzt wurde. Ganz anders im Pazifik, vor allem in Japan, wo sich das Bewusstsein um Naturrisiken tief im Alltag verankert hat. Immerhin, die globale Reichweite der Tsunami-Katastrophe hat die Anrainerländer des Indischen Ozeans näher zusammen gebracht. Die internationale Solidarität ist ihnen gewiss. Bleibt zu hoffen, dass die Bewältigung der Katastrophe zugleich die Wahrnehmung schärft, wie fragil der Planet samt seiner Ozeane in Wirklichkeit ist. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Australien
Down under up?
Australien pflegt gern das Image eines fast leeren Kontinents weit ab von den Problemen, mit denen sich der Rest der Welt beschäftigt. Dem Tourismus mag dies dienlich sein, die australische Wirtschaft aber ist mehr denn je mit dem asiatisch-pazifischen Raum verflochten. Dies wurde ihr mit hohen Zuwachsraten gedankt, die australischen Wähler haben auch deshalb in den Parlamentswahlen von 2004 die konservative Regierung bestätigt. Zunehmend aber bleibt Australien nicht unberührt von anderen globalen Prozessen: Flüchtlinge aus Asien suchen wie einst die Europäer eine Zukunftschance, nur um zu erfahren, dass der "fünfte Kontinent" die Tore für sie schließt. Australien fällt es immer noch schwer, sich zwischen globalem Engagement oder selbstverliebter Isolation zu entscheiden. (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Karst und Karstlandschaften
Landschaft als Kulisse
Was haben chinesische Landschaftsmalerei, James
Bond- und Winnetou-Filme gemeinsam? Sie nutzen
großartige Karstlandschaften als Hintergrund für
ihre Bildmotive oder Dramaturgie. Die eigenartigen
Formen steil aufragender Kegel, geheimnisvoller
Höhlensysteme oder abrupter Einbrüche in der
Landschaft sind Ergebnisse von Lösungsverwitterung
in Kalk, Gips oder Dolomit. So herausfordernd
Karstlandschaften für die geomorphologische und
bodenkundliche Forschung sind, ihre Faszination als
Landschaftstyp geht über die Wissenschaft hinaus.
Denn bei eher mäßigem landwirtschaftlichen Potenzial
können Karstregionen ihr touristisches Potenzial
voll ausspielen. Und da mögen Erinnerungen an
spannende Kinofilme den Gastgebern in Guilin,
Kroatien oder Südthailand mehr als gelegen kommen.
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Sachsen-Anhalt
In der Mitte
Sachsen-Anhalt ist – von den Stadtstaaten einmal abgesehen – eines der drei deutschen „Binnenländer“. Es wird von der wichtigen West-Ost-Verkehrsachse zwischen Rhein-Ruhr und Berlin durchschnitten und daher meist nur als Transitstation an der A2 wahrgenommen. Viele ICEs durchqueren das Bundesland ohne Halt. Aber das Land zwischen Harz und Altmark hat viele eigene Potenziale, nicht zuletzt als attraktive Fremdenverkehrsregion. Dennoch, die Strukturprobleme sind immens, die Arbeitslosigkeit im Landesdurchschnitt auf deutschem Rekordniveau. Zumindest bei seinen Problemen steht Sachsen-Anhalt also mittendrin: So wie die gesamte Bundesrepublik muss es einen weitreichenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel bewältigen und sich dabei zugleich dynamisch und zukunftsgewandt zeigen.
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Ausgabe September
Heft 09/2005
Leider vergriffen!
Frankreich
Frankreich und ein besseres Europa
Das Engagement für europäische Integration und die Aussöhnung mit dem Nachbarn Deutschland (oder dessen Einbindung) haben Frankreichs Politik seit 1945 geprägt. Die Nation zwischen Montpellier und Lille hat die EU entscheidend mitgestaltet, zugleich gestaltet die EU aber auch immer stärker Frankreich: Seine Regionen suchen größere Autonomie - nicht nur gegenüber Paris, sondern auch um ihm Wettbewerb mit anderen EU-Regionen bestehen zu können. Und seit 2004 musste Frankreich erkennen, dass sein Gewicht unter 24 Partnern automatisch abnimmt. Da hilft auch der Schulterschluss mit Deutschland wenig. Der Verfassungsentwurf, über den die Franzosen abzustimmen hatten, trug zwar die Handschrift Frankreichs, war aber in den Kompromissen am Ende so weit weg vom Ursprung, dass eine Mehrheit ihn ablehnte - ein „Non“ als Votum für ein besseres Europa? (rj) ...zum Inhalt / Artikeldownload

Ausgabe Oktober
Heft 10/2005
Leider vergriffen!
Weltweite Verstädterung
Stadt - Land - Umland
„Verstädterung“ ist heute mehr als ins Umland ausufernde
Metropolen: Der Prozess umfasst innerstädtischen Wandel
ebenso wie die Neugestaltung von Wohnvierteln oder
deren soziale Zusammensetzung. Markantestes Merkmal
weltweit sind private Wohnviertel („gated communities“),
in denen sich um ihre Sicherheit besorgte Bürger vom
öffentlich zugänglichen Raum abschotten. Und im klassischen
Suburbia der USA verwandelt sich die einst homogene
Einwohnerschaft in ein ähnlich buntes Gemisch,
wie zuvor den innerstädtischen Wohnbereichen zu finden
war. Die Stadtgeographie muss diesen Wandel allerorten
im Auge behalten, will sie nicht von ihm überholt werden.
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Krisenregion Persischer Golf
Verbrannte Erde
Die politische Geographie am Persisch-Arabischen Golf
könnte nicht spannungsgeladener sein: Staatsgrenzen,
die auf ethnische Gruppen und Ölquellen keine Rücksicht
nehmen; Konfessionen des Islam, die sich blutige
Gefechte liefern; Weltmächte, die sich mit fadenscheinigen
Argumenten zur Konfliktlösung "engagieren". In
einer idealen Welt würde das "schwarze Gold" am Golf
zu allgemeinem Wohlstand und friedlichem Nebeneinander
von Arabern und Kurden, Schiiten und Sunniten,
Irakern und Iranern führen. Die kleinen arabischen
Emirate versuchen diese Vision zu realisieren, sie zumindest ausländischen Investoren und Touristen so zu verkaufen. Die Wirklichkeit der großen Golfanrainer aber
ist geprägt von despotischen Regimen, sozialen Konflikten
und offenem Krieg als Dauerzustand. Dennoch mag
man die Hoffnung nicht aufgeben, dass in Zukunft nur
noch die Fackeln an den Bohrtürmen brennen.
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Industrie in der EU
Optimaler Standort
Für Pflanzen gelten Licht, Wärme oder guter Boden als wichtige Standortbedingungen. Die Industrie ist ebenfalls auf der Suche nach dem idealen Standort: niedrige Lohnkosten, hohe Produktivität, geringer Materialeinsatz, niedrige Steuern. Nun sind Fabriken keine Blumentöpfe oder Pflanzenstöcke, die ein übermächtiger Gärtner über Nacht von einem Land ins andere versetzen könnte. Aber im Zeitalter globaler Telekommunikation, schneller Transportwege und sich auflösender Grenzen - die im Jahr 2004 erweiterte EU ist hier Präzedenzfall – fällt es auch schwerfälligen Industrien leicht, sich neue und vermeintlich bessere Standorte zu suchen. Dies führt zu regionaler Konkurrenz, aber auch zur Konkurrenz einzelner Produktionsstandorte innerhalb eines Unternehmens. Auf der Strecke bleiben bei solchen Umpflanzungen meist die über lange Zeit gewachsenen Arbeitnehmer-Arbeitgeber- und Kundenbeziehungen vor Ort. Das wird in Kauf genommen, so lange die Rechnung stimmt. (rj)
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