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Verzeichnis aller bisher erschienener Themenschwerpunkte - 2006

Nordrhein-Westfalen
Neue Rolle für den Westen?
Der Fokus der Geographie auf das „raumordnerische Experiment“ im Osten der Bundesrepublik hat den Blick auf das „alte Land“ Nordrhein-Westfalen etwas verdeckt. Dabei hat NRW so viele Einwohner wie alle neuen Länder zusammen. Seine Stellung in Deutschland mag seit 1990 relativiert worden sein, aber der noch andauernde strukturelle Wandel an Rhein und Ruhr ist immer noch beispiellos. So können die Erfahrungen, etwa beim Umbau des Ruhreviers in eine postmoderne Dienstleistungs- und Freizeitregion, Modell für vergleichbare Regionen werden, sei es an der Saar oder an der Saale. Und wenn es NRW gelingt, seine Position auch im Wettbewerb mit europäischen Nachbarregionen zu behaupten, dann ist es ganz sicher dem Rest der Republik einen Schritt voraus.
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Wasserpolitik
Wasserwelt
Wer hierzulande morgens den Duschhahn aufdreht oder samstags in die Autowaschanlage fährt, denkt meist nicht daran, dass in anderen Teilen der Welt ein Krug Wasser zum Kochen oder Trinken eine Kostbarkeit ist. Selbst wenn man unterschiedliche Stufen der Aridität einbezieht, gibt es genug Regionen, in den die Wasserversorgung, ja das Menschenrecht auf Zugang zu Trinkwasser, ein entwicklungspolitisch ungelöstes Problem ist. Brunnenbau, Bewässerungsprioritäten, Dammbauten – all dies sind zwar Maßnahmen der Wasserbewirtschaftung – aber mit ganz unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Prioritäten. Addiert man die Konfliktpotenziale aus grenzüberschreitenden Flüssen und Grundwasserspeichern
hinzu, so gewinnt der Kampf ums Wasser zunehmend eine weltumspannende Dimension.
(rj)
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Kaukasien
Kaukasischer Teufelskreis
Geographen haben oft ihre eigene Poesie: „Berg der Sprachen“ nannte im 10. Jh. der arabische Geograph Al-Mas’udi den Kaukasus. Und das ist zutreffend beschrieben, denn die Bergregion an der Schwelle von Europa nach Asien verzeichnet Dutzende von Sprachgruppen, Ethnien und Nationalitäten. Zudem liegt sie an der Kreuzung geopolitischer Konflikt- und wichtiger ökonomischer Verbindungslinien. Dies, zusammen mit einer mehr als beeindruckenden Landschaft, könnte der Region hinreichend Wohlstand sichern, wäre da nicht das Erbe der
zerfallenen Sowjetunion mit ihren territorialen Hypotheken. Zwischenstaatliche Konflikte und Bürgerkriege haben sich zu einem „gordischen Knoten“ verflochten, dessen Auflösung sicher nicht durch einen Schwerthieb zu erreichen ist. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Geoarchäologie
Geoarchäologie – Synergien in der Forschung
Geoarchäologische Studien treffen derzeit auf ein besonderes Interesse der Öffentlichkeit. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass in solchen Untersuchungen Geistes- und Naturwissenschaften integrativ zusammen arbeiten und zu neuen, auf innovativem Wege erarbeiteten Ergebnissen finden. Möglicherweise liegt es aber auch dran, dass in
einer Zeit globalen Wandels die Sensibilität der Menschen für Veränderungen besonders groß ist und der Blick zurück in die Geschichte der eigenen wie fremder Kulturen spannende Einsichten ermöglicht. Hier eröffnet sich auch der Schulgeographie im Zusammenspiel mit den Geschichtswissenschaften
eine neue Perspektive für den Unterricht.
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Großbritannien
Kaum vorzustellen, dass Edinburgh, Belfast oder Cardiff im Vereinigten Königreich je ein solches Gegengewicht zu London werden, wie dies in Deutschland Frankfurt, Hamburg oder München im Verhältnis zu Berlin sind. Dennoch, die „Devolution“ jenseits des Kanals ist eine Revolution. Walliser, Schotten und Nordiren erhalten zusehends größere Autonomie. Sie will aber erst erlernt sein. Denn nicht unberechtigt ist die Skepsis, dass ohne London die Regionen und „Territories“ vom Wirtschaftsmotor an der unteren Themse und den förderlichen politischen „Connections“ mit White Hall abgekoppelt sind. Regionalpolitisch ist das Inselreich zur Zeit damit ein einziges großes Experiment. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Großstädte in Deutschland
Die WM als Städtewettbewerb
Kaum vorstellbar, dass ein Fußball-Turnier wie im Frühsommer 2006 das Wirtschaftswachstum der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde beeinflussen kann. Umso härter ist der Wettbewerb der Austragungsstädte um bestmöglichen Imagegewinn und, mehr noch, um harte Euro. Selbst kleinere Kommunen, wie Aerzen bei Hameln, oder mittelgroße Städte, wie Göttingen, tun alles, um ihre Teilnahme an der WM – hier als Gastgeber zweier Teams – wirtschaftlich zu nutzen. Für die Metropolen München, Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt, Köln und Stuttgart ist die Fußball-WM nur eine von vielen Großveranstaltungen, die Wirtschaftsimpulse versprechen. Bei Nürnberg, Leipzig, Kaiserslautern sowie den Ruhrgebietsstädten Dortmund und Gelsenkirchen aber ist die WM-Gastgeberrolle ein mehr als willkommener Anlass, ihre Visitenkarte an internationale Investoren zu übergeben.
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Globale Telekommunikation
Verschwindende Distanz
Die wirklich „neue Welt“ liegt jenseits fühlbarer Entfernungen: Per elektronischer Datenübertragung ist jeder Punkt der Erde erreichbar, zumindest jeder, der über die erforderliche Technologie verfügt. Die Aufhebung von Distanz hat sich im Alltag unmerklich eingeschlichen. In virtueller Realität lässt sich das gebuchte Hotelzimmer in Mexiko vorab anschauen oder ein Geldtransfer per Online-Banking von jedem Internetzugang
aus steuern. Große Server, die über leistungsfähige Kabelleitungen oder Satellitenkapazitäten miteinander verbunden sind, ermöglichen Real-Time-Tracking beim Gütertransport oder den Austausch großer Datenmengen. Auf der Strecke bleibt das gute alte „geographische“ Gefühl, dass erst mit der Erfahrung von Entfernung (der Weg ist das Ziel) ein Gefühl für die Größe des Raumes entsteht.
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Nördlicher Pazifik
Nimmt man die Außenhandelsstatistik zwischen den USA und den Partnern im westlichen Pazifik als Grundlage, so pflügen vollbeladene Containerschiffe den Stillen Ozean in Richtung Osten, kehren aber leer zurück. „Outsourcing“ hat die transpazifischen Handelsverflechtungen und so die Verkehrsströme erheblich intensiviert. Dabei herrscht aber ein Ungleichgewicht zwischen dem westlichen Pazifik und seinem Ostrand, welches den USA als Hauptimporteur zunehmend Sorge bereitet. Jenseits solch makroökonomischer Betrachtungen scheinen die Regionen im und um den Nordpazifik von den gegenseitigen Handelskontakten zu profitieren – und das ist, was zählt. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Entwicklung und Umwelt
In der internationalen Öffentlichkeit dominiert derzeit die Frage, wie sich die eigenen Interessen bei der Sicherung globaler Ressourcen am besten durchsetzen lassen. Aus dem Blickfeld verdrängt sind aber die Probleme, mit denen sich Menschen in der Dritten Welt täglich auseinandersetzen: Wo finde ich Brennholz? Reicht die Fläche zum Reisanbau? Wie weit ist es zur nächsten Wasserquelle? In vielen Fällen haben sich Lösungen durchgesetzt, die den lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen. Die Unterstützung durch Entwicklungsprojekte muss indigene Lösungen einbeziehen, wenn sie erfolgreich dabei sein will, die Interessen von Mensch und Natur in Einklang zu bringen. Eine so verstandene „nachhaltige Entwicklung“ ist von bleibender Aktualität. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Vorderer Orient
Tragödien im "fruchtbaren Halbmond"
Man ist versucht bis zur Schlacht von Kadesh zurück zu gehen, 1274 vor unserer Zeitrechnung, um die schier endlose Geschichte von Konflikten und Kriegen, von Flucht und Vertreibung am Ostrand des Mittelmeeres zu illustrieren. Schon zur Zeit Ramses II. und der Hethiter teilten Großmächte ihre Interessenssphären im Libanongebirge oder am Toten Meer untereinander auf. An diesem Kreuzungspunkt von Kulturen und Mächten beanspruchen noch 3 300 Jahre später drei große Religionen ihre jeweils "heiligen" Rechte. Oder sind es doch nur profane Machtspiele regionaler Gruppen, von fern angeheizt durch Großmächte, welche es unmöglich erscheinen lassen sich einen friedlichen Nahen Osten vorzustellen? Die Geographie kann hier Gebietsansprüche nachzeichnen, ungleich verteilte natürliche Ressourcen aufzeigen und soziale und demographische Prozesse beschreiben – Hoffnung auf eine Lösung der Probleme kann sie damit aber nicht wecken. ...zum Inhalt / Artikeldownload

Transformation in der Landwirtschaft
Frisch auf den Tisch?
Das Bild von Bauersleuten, die liebevoll gepflegtes Gemüse und Selbstgeschlachtetes dem qualitätsbewussten Kunden verkaufen, ist gut für Werbeanzeigen, entspricht aber außer auf den Wochenmärkten unserer Städte kaum der Realität. Landwirtschaft und Industrie verschmelzen in der Agrarindustrie mit Massenproduktion von Früchten, Gemüse und Fleisch. Damit ändert sich auch der bäuerliche Betrieb, der zum Zulieferer einer nach Effizienzkriterien arbeitenden Industrie wird. Und es ändert sich die Agrarlandschaft, in der ein hochentwickelter Maschinenpark die "Fläche" bedient. Diese Transformation der Landwirtschaft, dazu die globale Konkurrenz ihrer Produkte, erscheint immer dann in den Schlagzeilen, wenn wieder einmal ein Lebensmittelskandal aufgedeckt wird.
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