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Museumstipp September 2010

Weilburg


Kubacher Kristallhöhle


Funkelnde Erdgeschichte unter Tage


Von Dr. Amrei Stupperich

Abb. 1: In den Außenanlagen der Kubacher Schauhöhle befindet sich ein erdgeschichtliches Freilichtmuseum, das einen Gang durch viele weitere Gesteinsarten der Umgebung ermöglicht. Auf Schautafeln erfährt der Besucher Daten aus der Geschichte der Steinriesen.
(Alle Abbildungen © Höhlenverein Kubach e.V.)


Wer sich eine Vorstellung von den zeitlichen Dimensionen der Erdgeschichte und den Wirkungen von klimatischen Veränderungen in unseren Breiten machen will, findet in den Höhlengängen von Kubach (Ortsteil von Weilburg an der Lahn) das geeignete Anschauungsmaterial. Der Kalkstein der Kubacher Höhle ist 350 Millionen Jahre alt.


Abb. 2: Geeignet für die Vor- oder Nachbereitung des Höhlenbesuchs ist das Höhlenmuseum, in dem außer der Geschichte des regionalen Bergbaus die ungewöhnlichen Wege der Erforschung der Höhle und ihre mineralogische Einordnung nachzuvollziehen ist.


In der Eiszeit, viele Millionen Jahre später, löste sich Kalkstein durch eindringendes Wasser. Es entstand das heute zu besichtigende Höhlensystem, in dem sich an den Wänden Calcitkristalle und Perltropfsteine gebildet haben. Die ersten Entdecker einer Kubacher Höhle waren Bergleute, die dort im 19. Jahrhundert Phosphorit abgebaut hatten und sich an eine riesige Tropfsteinhöhle erinnerten. Die Höhle geriet in Vergessenheit.

Abb. 3: Hauptattraktion der Kristallhöhle ist der 350 Millionen Jahre alte Kalkstein, geschmückt mit unzähligen Kristallen und Perltropfsteinen.


Erst in den 1970er Jahren ging ein Kubacher Lehrer den spärlichen Spuren der unterirdischen lokalen Attraktion nach, gründete einen Höhlenverein, gewann Firmen, die bereitwillig Probebohrungen vornahmen, und Wissenschaftler, die neueste wissenschaftliche Methoden bei der Suche anwandten. Die Darstellung der Suche liest sich wie ein Krimi. Zwar fand man die legendäre Tropfsteinhöhle bis heute nicht, machte aber 1974 spektakuläre andere Funde: zuerst die so genannte "Kapelle" und kurz darauf die berühmtere Kristallhöhle. Sowohl wegen der Größe (200 m Länge und 30 m Höhe) als auch wegen der unzähligen schneeweißen oder glitzernden Kristalle ist letztere einmalig in Deutschland. Nach dieser Entdeckung wurden auch öffentliche Stellen tätig und beteiligten sich an der Erschließung, Nutzung und Unterhaltung der Kubacher Höhlen. Ein langer Zugangsstollen, der über 346 Stufen hinunter in eine Tiefe von bis zu 70 m führt, und weitere Ausbaumaßnahmen machen es seit 1981 möglich, die Kristallhöhle zu besuchen.


Abb. 4: Keine andere deutsche Schauhöhle kann mit solchen Hallenmaßen aufwarten: Die einzige deutsche Kristallhöhle ist 30 m hoch, weshalb der hier gezeigte Hohlraum (mit Höhlensee) auch "Dom" genannt wird.

Bei einer Führung werden die Besucher über Einzelheiten der Entstehung der erdgeschichtlichen Besonderheiten, insbesondere der Kristalle und Perltropfsteine, informiert. Im oberirdischen Höhlenmuseum finden sich diese Informationen noch einmal in systematischer Übersicht ergänzt durch die Geschichte des regionalen Bergbaus, mit dem alles angefangen hat: Die Erdgeschichte umfasst Vulkanismus, Entstehung von Fossilien und Gesteinsbildung. Zur Erweiterung erdgeschichtlicher Vorstellungen, die über die speziellen Prozesse in der Höhle hinausreichen, dient ein großes Freilicht-Steinemuseum, in dem weitere Gesteinsarten der Umgebung anhand beeindruckender Exemplare erläutert werden. Wer nun Feuer gefangen hat und sich noch weiter für die verschiedenen Kalkarten interessiert, muss nach Villmar fahren und das Lahn-Marmor-Museum besuchen. Der Marktflecken im Landkreis Limburg-Weilburg ist das Zentrum des Lahnmarmors, eines wegen seiner reichen Farbigkeit international hochgeschätzten polierfähigen Kalksteins, der bis hin nach St. Petersburg und im Empire-State-Building Verwendung gefunden hat. Es versteht sich, dass aber auch Weilburg selbst mit seinem barocken Schloss eine Besichtigung lohnt und die nahegelegenen und historisch bedeutsamen Städte wie Wetzlar als alte Reichsstadt und Limburg mit seinem spätromanischen Dom einen Abstecher wert sind.


Abb. 5: Zum tiefsten Punkt der Höhle muss der Besucher ca. 70 m unter die Erdoberfläche hinunter steigen.

Wer nun Feuer gefangen hat und sich noch weiter für die verschiedenen Kalkarten interessiert, muss nach Villmar fahren und das Lahn-Marmor-Museum besuchen. Der Marktflecken im Landkreis Limburg-Weilburg ist das Zentrum des Lahnmarmors, eines wegen seiner reichen Farbigkeit international hochgeschätzten polierfähigen Kalksteins, der bis hin nach St. Petersburg und im Empire-State-Building Verwendung gefunden hat. Es versteht sich, dass aber auch Weilburg selbst mit seinem barocken Schloss eine Besichtigung lohnt und die nahegelegenen und historisch bedeutsamen Städte wie Wetzlar als alte Reichsstadt und Limburg mit seinem spätromanischen Dom einen Abstecher wert sind.



Adresse
Kristallhöhle Kubach
Auf dem Kalk 1
35781 Weilburg - Kubach
Tel.: 06471-94000
Fax: 06471-94000

E-Mail: hoehlenverein@kristallhoehle.de
Internet: www.kubacherkristallhoehle.de

Öffnungszeiten

27. März bis 30. Oktober.

  • Werktags 14 bis 16 Uhr (letzte Führung 16 Uhr), in den hessischen Sommerferien ab 13 Uhr
  • Samstags, sonn- und feiertags 10 bis 17 Uhr (letzte Führung 17 Uhr)
  • Nach Vereinbarung
  • Freilicht-Steinemuseum: ganzjährig, kostenfrei

Angebote

Es wird unbedingt eine telefonische Voranfrage / Voranmeldung empfohlen, wenn die Kristallhöhle mit einer Gruppe ab ca. 20 Personen besucht werden soll.

Da der Abstieg über 347 Stufen erfolgt und die Kristallhöhle eine Luftfeuchtigkeit von ca. 85% aufweist, wird Gästen mit entsprechenden gesundheitlichen Problemen vom Besuch abgeraten. Die Temperatur in der Höhle beträgt 9° C. Festes Schuhwerk ist sinnvoll.

  • Führungen durch das Höhlensystem: 45 Minuten mit Informationen über seine Entstehung
  • Freilicht-Steinemuseum vor der Höhle:12 Tonnen schwere, beschriftete Gesteinsblöcke aus verschiedenen Epochen der Erdgeschichte, chronologisch angeordnet
  • Höhlenmuseum im Höhlenhaus: Erdgeschichte, Geschichte des Bergbaus im Lahngebiet (Eisenerz, Phosphorit), Geschichte der Entdeckung und Mineralogie des Höhlensystems, Videoschau (Kubacher Kristallhöhle, Weilburg und Umgebung)


Medientipps:

Sieck, Annerose: Freizeitführer Mittelhessen. Kreise Gießen, Lahn-Dill, Limburg, Weilburg, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg. Gudensberg-Gleichen 2010


Ergänzende Links

www.schloesser-hessen.de/schloesser/weilburg/weilburg.htm
Das vierflügelige Schloss in Weilburg, auf einem Bergvorsprung über der Lahn gelegen, gehört zu den bedeutendsten barocken Schlossanlagen Hessens und besterhaltenen deutschen Kleinresidenzen des Absolutismus.

www.lahn-marmor-museum.de/
Das Museum im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg präsentiert den berühmten Lahn-Marmor (polierfähiger Massenkalk), dessen Zentrum in Villmar erhebliche wirtschaftliche Bedeutung erlangt hat. Es zeigt Entstehung, Abbau und Verwendung in heimischen und internationalen (Pracht-)Bauten.